Tintenfisch

Ole Ander Decabrachia
Die Geschichte, vom namenlosen Teenager-Tintenfisch im tiefen Ozean
Im großen Ozean lebt ein junger Teenager-Tintenfisch. Ihm war furchtbar langweilig! Immer nur so „herumeiern“ und immer und immer nach Nahrung suchen.
Eines Tages fiel dem Teenager-Tintenfisch ein: „Ich könnte mir ja einen Namen zulegen. Wie möchte ich denn genannt werden?“ Tintenfische gibt es nämlich sehr viele im großen Ozean … und alle tragen denselben Namen.
Und das ist „L-a-n-g-w-e-i-l-ig“, schrie unser Tintenfisch durch den ganzen Ozean hindurch.
Kam ein großer Fisch daher, aus dem großen, großen Meer. Es wunderte ihn sehr, dem Fisch aus dem großen Meer, dass es hier einen traurigen Tintenfisch gab. Konnte er sich doch den Spaß erlauben, sich mit seiner Tinte unsichtbar zu machen, und seine anderen Meeresmitbewohner damit erschrecken.
„DAS ist doch seeeehr lustig, oder?“, fragte der große Fisch den etwas kleineren Tintenfisch. Der Namenlose schaute den großen Fisch verdutzt an.
„Waaas, das soll lustig sein? Du spinnst wohl! Wer bist Du Denn? Wo kommst du denn überhaupt her – aus dem großen Meer? Und wie heißt Du? Stell dich gefälligst einmal vor, wenn du mit mir redest! Wie ist dein Name?„
Der große Fisch bekam ganz große Augen, fast größer als er selbst war.
„Was willst du kleiner Frosch überhaupt von mir?“, fragte der große Meeresbewohner den Kleinen. Da ärgerte sich der Tintenfisch, und der Fisch schwamm mit seinen riesigen Flossen pfeilschnell davon. Denn wenn ein Tintenfisch sich ärgert, dann schießt er eine riesige Tintenwelle aus sich heraus.
Schschschschhhht macht es, und wie eine Fontäne schoß die Tinte aus dem Tintenfisch heraus, sodass er in die entgegengesetzte Richtung katapultiert wurde.
Durch den Rückstoß und seinen Ärger, über diese blöde Ozeanwelt wurde der Teenager-Tintenfisch in eine andere Welt transportiert, hinweggeschleudert von der Ozeanwelt, eingesaugt von der Anderswelt!
Durch die Sogwirkung von der Anderswelt raste er durch einen Tunnel, wirbelte darin herum wie in einem Whirlpool, wurde in Sekundenschnelle vom Ozean ins Meer, in ein großes Delta verfrachtet, in einen großen Strom, zu einem Fluss, bis hinein in das Regenbogenland. Dort landete er schließlich im Bach an der bunten Blumenwiese, direkt unter der Regenbogenbrücke – dort, wo gerade der Farbenkleckser seine Arbeit begann.

Du willst jetzt bestimmt wissen, wo Du das Regenbogenland finden kannst? Also, dann hör gut zu!
Die Anderswelt, in der das Regenbogenland ist, ist eine Welt, die man normalerweise nicht sieht. Sie existiert hinter einer Nebelwand, in einem ganz besonders großen „Luftballon“, so könnte man auch sagen.
Die Experten unter uns sagen dazu: Hologramm. Dieses Hologramm ist für die normalen Menschen unsichtbar. In der Anderswelt sind die kleinen Völker zuhause. Das sind Zwerge, Kobolde, Gnome, Elfen, Feen, Sylphen und Nixen. In dieses Hologramm dürfen die Menschen nicht eintreten! Es hat einen ganz besonderen Schutzring außenherum. Und es gibt große Wächter, die immerzu aufpassen!
Die Anderswelt gibt es auf der gesamten Erde und seine Bewohner können sich telepathisch miteinander unterhalten und Kontakt aufnehmen. Sie haben auch ein ganz besonderes Warnsystem, das nur in dringenden Notfällen benutzt wird.
Weiter jetzt mit unserer Geschichte:
Warum landete der Tintenfisch ausgerechnet im Regenbogenland?, fragst Du Dich jetzt wahrscheinlich.
Er landete dort, weil er den starken Wunsch hatte, diesen blöden Ozean zu verlassen, und weil er endlich seine Ruhe haben wollte. Endlich sein eigenes Tintenfisch-Teenager-Leben leben wollte! OHNE irgendetwas TUN zu MÜSSEN!
Und als der Tintenfisch seine Augen öffnete, sich umschaute und zu verstehen versuchte, was gerade passiert war, wo er sich denn nun befand, kannte er sich überhaupt nicht mehr aus. Er war in einer fremden Welt gelandet!
Oh je, das hatte er nun davon, weil er immer – und immer wieder – sein Maul soweit aufreißen musste! Jedes Mal, wenn er sich ärgerte, rauscht aus ihm eine große Tintenwolke heraus, deren Wucht ihn rückwärts fortstößt, an einen anderen Platz. Jetzt und heute war seine Wut doch etwas zu groß gewesen!
„Wo um alles in der Welt, bin ich denn heute gelandet?“ ,fragte sich der Tintenfisch-Junior.
Er schaute sich abermals um. Es war soo, soo, soo, er konnte es gar nicht beschreiben, weil er so was noch niiiie in seinem jungen Leben gesehen hatte. Auch seine Freunde hatten ihm noch nie von so einer Welt erzählt! Er konnte auch keine anderen Meeresbewohner sehen. Er war vollkommen allein in dieser neuen fremden Welt.
„ICH BIN ALLEIN!“, schrie es aus ihm heraus: „ICH BIN ALLEIN!!!“
Seine Augen wurden immer größer und größer, und er spürte, dass er schon wieder eine Wut bekam, auf sich selbst. Als er bemerkte, dass seine Drüsen begannen, blaue Farbe zu produzieren, bemühte er sich darum, sich ganz schnell wieder zu beruhigen.
„Nein! Ich will nicht schon wieder Tinte ausstoßen und irgendwo landen, wo ich mich noch weniger auskenne“,dachte der alleinigste Ozeanbewohner in einer fremden Welt.
Er begann, endlich seine neue Umwelt zu betrachten und genau anzuschauen. Er bemerkte, dass er außerhalb des Wassers auch gut leben konnte. Er brauchte das Element Wasser gar nicht. Er bekam auch über Wasser genügend „Luft“!
So wurde unser kleiner Teenager-Tintenfisch unternehmungslustig. Und er traute sich, das Wasser und den Bach zu verlassen. Und seltsamerweise konnte er sich mit seinen 8 Armen recht gut auf dem komischen Ding, auf dem er sich nun befand, gut fortbewegen. Das komische Ding, auf dem er vorwärts krakelte, war Gras. Es kitzelte seine 8 Beine, es fühlte sich jedoch so richtig gut für ihn an.
Plötzlich spürte der Tintenfisch, dass er beobachtet wurde. Er schaute sich um und sah erst mal, niemanden. Keinen Feind. Nur seltsame Blumen, die denen auf dem Meeresboden glichen. Nur waberte hier nichts herum. Er fühlte sich immer noch beobachtet. Er blickte die geheimnisvollen Blumen an.
DIE waren es! Diiiie beobachteten den Fremdling!
Die Blumen im Gras, neben dem Bach, auf der Blumenwiese unter der Regenbogenbrücke, sahen den Fremdling mit seinen 8 seltsamen Beinen an. Er hatte nur einen riesigen Kopf, mit weit aufgerissenen Augen, die erschrocken in ihre Richtung sahen, und genauso verdutzt dreinsahen, wie sie selbst.
Die Blumen auf der Wiese hatten Gesichter und Augen, das konnte der Tintenfisch sehen, und ihre Blätter sahen aus wie, wie Arme. Unser Tintenfisch konnte seine Beine auch wie Arme benutzen.
Und dann stand da plötzlich noch eine Gestalt auf der Wiese. Sie schaute auch in die Richtung zum Tintenfisch.
Nun kam Leben auf die Wiese!
In Windeseile hatte es sich herumgesprochen, dass Besuch aus der anderen Anderswelt gekommen war. Aus der Anderswelt des großen Ozeans. BESUCH vom Ozean war gekommen. Welch eine Seltenheit!
Schnell verwandelte sich die Angst in ein sich gegenseitiges Beobachten. Alle waren auf einander äußerst neugierig! Sie sahen einander interessiert in die Augen, und sie erkannten sich sofort als Wesen vom Planeten Erde, auf dem sie alle lebten.
Auch Mutter Erde, die ebenfalls im Regenbogenland unter der Regenbogenbrücke Zuhause war, ging auf die Blumenwiese und begrüßte den kleinen Meeresbewohner.
Mutter Erde war eine rundliche, sehr nette ältere Frau mit schneeweißen Haaren, die im Nacken zu einem „Nest“ zusammen verflochten waren. Sie hatte ein sehr nettes, freundliches Gesicht. Ihre Augen waren von schillerndem Braun und konnten ihre Farben ändern, bis hin zum strahlenden Goldrubin. Das Alter von Mutter Erde konnte man schlecht einschätzen, da sich ihr Gesicht und ihre Gestalt immer wieder veränderten. Je nachdem wie es die Situation gerade erforderte. Ebenso ihre Kleidung:
Einmal stand sie in den Farben und Formen der Bäume da, und ihre Arme wurden zu Zweigen und Blättern; dann trat Mutter Erde als goldige Schlüsselblume auf der bunten Wiese auf, um ihren Lieblingsblumen noch näher zu sein.
Jetzt nahm eine sehr nette freundliche Mama, mit ihren goldrubinstrahlenden Augen, den kleinen Meeresbewohner so liebevoll in ihre Arme, dass dem Teenager-Tintenfisch ganz seltsam zumute wurde. Diese Art von Mutterliebe hatte er noch nie in seinem jungen Leben gespürt. Aber er wusste sofort, was er da spürte.
So schnell hatte der Nachrichtensender im Regenbogenland noch nie funktioniert, wie an diesem Tag! Alle Bewohner vom Regenbogenland versammelten sich zum Willkommensgruß auf der bunten Wiese. Selbst die Regenbogenkönigin und ihre Schwester, die Rosenkönigin, und der Tzapepazt – ein sehr wichtiger Mitarbeiter von Mutter Erde, alle waren sie hier versammelt.
Und nun musste unser Neuankömmling ganz genau berichten, wo er herkam – und vor allem: wie er hierherkam. Alle staunten über das, was er zu erzählen hatte.
Mutter Erde schmunzelte. Wieder einmal hatte ein Kindlein vom Planeten Erde nach Hause gefunden, in das Regenbogenland, von wo aus alle gegangen waren, um ihre Abenteuer hier auf dem Planeten Erde zu erleben.
Unser Teenager-Tintenfisch durfte hier im Regenbogenland unter der Regenbogenbrücke bleiben, solange es ihm gefiel.
Als der Tintenfisch-Junior so auf dem Arm von Mutter Erde lag, schaute sie ihm ganz tief in die Augen und erkannte, was diesem kleinen Meeresbewohner hier auf der trockenen Erde fehlte. Es war die Sprache! Er konnte sich nur mit wenigen hier im Regenbogenland unterhalten. Nur diejenigen, die zur Telepathie fähig waren, wussten, was der Tintenfisch sagen wollte.
Sie schaute sein Gesichtchen an. Hier fehlte etwas ganz Entscheidendes! Ein Mund zum Sprechen und Ohren um zu Hören. Das brauchte unser Teenager-Tintenfisch normalerweise unter Wasser überhaupt nicht – hier an Land jedoch schon. So strich Mutter Erde mit ihrem Zeigefinger dort, wo ein Mund sich öffnen sollte, unterhalb der Augen, und dort wo sich Ohren öffnen sollten, neben den Augen. Und sofort erschien, was unserem kleinen Meeresbewohner an Land fehlte: Mund und Ohren.
Der Tintenfisch erschrak zunächst furchtbar, als er so plötzlich alles, was an Land an Geräuschen zu hören ist, ungedämpft in ihn hineindrang.
„OH … OOOOOH … OOOOOOH!“
Ja was ist denn das??? Alles, was er zuerst telepathisch weitergegeben hatte, stand nun ganz laut um ihn herum, wahrnehmbar. Er konnte mit seinen neuen Ohren viel besser hören und auch fühlen! Oh wie war das wunderschööön, diese Töne hier heroben auf der Erde zu hören!
Er konnte sofort alle Sprachen, die hier im Regenbogenland gesprochen wurden, verstehen. Das Singen und Zwitschern der Vögel, das Schnattern der Gänse, das Wispern der Regenwürmer, das Summen der Bienen und das Brumseln der Hummeln. Die Lieder der Bäume und die Sprache der zweifüßigen, wie die Menschen im Meer genannt wurden. Plötzlich zupfte jemand an einen herunterhängenden Arm …
„He Du! Wie heißtn Du?“, fragte eine Pflanze, die gerade am Wegesrand so herumstand. Sie stellte sich vor: „Kalimera“, begrüßte sie ihn: „Ich komme aus Griechenland, ich bin auf der Durchreise. Ich besuche hier im Garten der Rosenkönigin, meine Ur-Ur-Uroma, die hier im Regenbogenland von der Rosenkönigin geboren wurde. Weißt du, wir sind ja schon eine sehr alte Dynastie und wir nennen uns Oleander und gehören zu den Rosengewächsen, weil uns die Rosenkönigin hier im Regenbogenland erschaffen hat. Bei uns in Griechenland ist eine Rosengewächsseuche ausgebrochen, und da hat mich meine Familie hierhergeschickt, um bei der Rosenkönigin ein Mittel gegen diese Seuche zu holen, sonst gehen alle Oleandergewächse in Griechenland kaputt!“
Unser kleiner Tintenfisch war sehr erstaunt, all dies zu hören und verstehen zu können. „Ooh hast du aber einen schöööönen Namen“, flüsterte er vor Begeisterung zum Oleanderstrauch – „So möchte ich auch heißen“.
„Das geht nicht!“ – schrie die Oleanderpflanze, „denn ICH bin der Oleander! Da kannst du nicht auch noch so heißen!“
Der namenlose Tintenfisch war sehr erschrocken und wurde ganz traurig. Er hing nur noch schlapp in den Armen von Mutter Erde herum.
„Na, na“, sagte Mutter Erde zu ihm, „nicht schwächeln, das ist nicht gut für dich! Passt mal auf, Ihr beiden, wir können doch eine Lösung finden. Der Oleander muss weiterhin so heißen, sonst kennt sich keiner mehr auf der Erde aus.“ – „Der Tintenfisch mit seinen 10 Armen kann doch so ähnlich heißen wie:
Wie wäre es mit „Ole Ander Decabrachia?!“
„Schau mal“, sagte Mutter Erde zum Tintenfischlein, „Du hast nämlich 10 Arme. Deshalb der Name Deca. Du hast 8 Arme zum krakeln und 2 Fangarme. Deine Fangarme sind größer und weil du sie immer eindrehst, wenn du nix fangen willst, sieht man von dir nur 8 Arme. Du gehörst zur Familie der Kraken. Die Kraken heißen Octobrachia, weil sie nur 8 Arme haben.
Und du bist aber ein ganz besonderer Krake, weil du 10 Arme hast. Diese Arme werden eigentlich „Tentakeln“ genannt. Ein zehnarmiger Krake heißt Decabrachia!
Und noch etwas ganz besonders ist in dir, du Lieber. Du hast in dir eine Drüse, die bei Gefahr eine Farbe produziert, die du dazu verwenden kannst, um dich „unsichtbar“ zu machen. Und wenn du diese blaue Farbe ausstößt, bekommst du einen Rückstoß und wirst von dem Platz, an dem die Gefahr droht, einfach weggestoßen, wie eine Rakete! Wuuutsch und weg bist du! Und der andere, der dich fressen wollte, sieht dich nicht mehr.“
„Und deshalb wirst du auch der Tintenfisch genannt“, erzählte Mutter Erde weiter, „weil du eine blaue Flüssigkeit in dir herstellen kannst. Du bist ein ganz besonderer Meeresbewohner! Den gibt es nur einmal. Ein einziges Mal im ganzen Ozean. Nur die Tintenfische können diese blaue Farbe in sich herstellen und sich damit unsichtbar machen! Ist das nicht wunderbar?“
Unserem kleinen Meeresbewohner wurde es ganz schwummerig zumute über das, was ihm Mutter Erde gerade über ihm und seiner Familie erzählt hatte.
„Ich bin etwas ganz Besonderes? Iiiiich bin was gaaaanz bessssonderes??? Iiiich“ schrie es aus ihm heraus „bin was Besonderes????“.
Oh, unser kleiner Tintenfisch war gerade einer Ohnmacht nahe. Mutter Erde gab ihm einen sanften Kuss auf seinen soeben sich öffnenden Mund, hauchte ihm das Leben von Mutter Erde ein, und der Kleine erholte sich wieder sehr schnell.
„Ich bin … was Besonderes … oh Mutter Erde, aber – aber … !“
„Nix aber!“, sagte Mutter Erde, „schau dich mal um! Hier sind überall ganz besondere Wesenheiten. Genauso wie du auch. Hier sind alle etwas ganz Besonderes. Alle Wesenheiten hier auf dem Planeten. Ihr seid ALLE etwas ganz Besonderes. Ihr Alle!!!“ und sie breitete ihre Arme aus und zog ihre Energie über den gesamten Erdkreis, auch nach Griechenland und ließ ihren heilenden Atem zu all den Oleandersträuchen fließen, die in Windeseile ganz schnell von ihrer Seuche geheilt wurden.
Der Oleanderstrauch hier im Regenbogenland staunte über diese Verwandlung, die nun zu allen Oleandern ging.
Und in seiner großen Dankbarkeit erlaubte er, dass der namenlose Tintenfisch einen Teil seines Namens tragen durfte:
„Ole Ander Decabrachia“
Weitererzählt durch Wasserfrau Éala: Kontakt mit den Regenbogenländlern