Poseidonis Vilius

Meeresgott Poseidon

Heimkehr des Poseidonis

Teil 3

Als Rübezahl und Poseidonis am Meer von Sizilien ankamen, war es dem Wassermann, als sei er wie neugeboren. Rübezahl setzte den Wassermann auf einen Felsenvorsprung ab. Beide saßen nebeneinander und sahen auf das Meer hinaus. Rübezahl war schon sehr lange nicht mehr auf der Insel Sizilien gewesen. Jetzt war es an der Zeit, die Inselwälder mal wieder zu inspizieren. Durch den Raubbau der Menschheit, hatten diese sehr gelitten und es gab für Rübezahl und sein kleines Volk, viel zu tun.

Zwei Elemente-Hüter saßen nebeneinander auf dem Felsen und betrachteten ihre Welten. Jeder aus seiner Sichtweise. Beide atmeten sie tief ein und aus.

Sie wussten es war sehr viel zu tun, im Meer und an Land.

Rübezahl und „Vilius der Erwachsene“ nahmen in einer großen Umarmung Abschied voneinander. Der Wassermann nahm den großen Schlapphut von seinem Kopf und setzte ihn Rübezahl auf. Glücklich über ihr gemeinsames Sein, lachten sie sich an. Sie hatten eine schöne Wegstrecke miteinander zurückgelegt, sich viel erzählt, bestens verstanden und gut kennengelernt. Ihre gegenseitigen Aufgaben waren erfüllt und irgendwann würden sie sich wiederbegegnen und miteinander ihre Erfahrungen austauschen. Den Mantel vom Rübezahl hatte Vilius auch dankend zurückgegeben. Seine Verkleidung brauchte er nun nicht mehr.

Wassergott Vilius

Poseidonis mit Nixe

Der Wassermann begann, sich in seinem Wassermannsein auszudehnen. Mit all seinen Sinnen atmete er die frische Meeresnachtluft, unter einem klaren Sternenhimmel ein. In diesem Augenblick erstrahlten der Mond und die Sternenwelten kraftvoller als jemals zuvor. Sie standen dem Wassergott bei, der sich nun bereit machte, in sein Reich einzutauchen und seine ganze Kraft seines Poseidonischen Wesens anzunehmen.

Die gesamte Galaxie der Milchstraße schien für diesen einen, einzigartigen Augenblick erschaffen worden zu sein.    

Vilius atmete einmal tief ein und aus, spannte seinen Wassermannkörper. Er dehnte und streckte seine Muskeln, richtete seine Fischschuppen neu ein, in dem er sich schüttelte, wie ein Vogel, der sein Gefieder säuberte. Die Fischschuppen erstrahlten silbrig glänzend, perlmuttfarbig.

Frisch aufgefüllt mit Sternenenergie, stand er auf seiner Schwanzflosse, die er so hinstellte, dass er menschenähnlich aufrecht stehen konnte. Die rechte Schwanzflosse nach vorne und die Linke nach hinten gedreht, so stand er sicher auf dem Felsen. Seine Muskulatur spannte sich noch mal unter seiner Haut und mit einem Meeresgottwürdigen mächtigen Satz, sprang er vom Felsen hinein in sein Element, das Wasser.

Er hinterließ auf der Wasseroberfläche einen gigantischen Wasserwirbel, das Wasser spritze in einer riesigen Fontäne in die Höhe. Wenn ein Meeresgott baden ging, dann mit all seinen Sinnen und Kräften. Sein Körper saugte die lange Abwesenheit des Meerwassers in sich auf. Er wurde immer kraftvoller und größer. Als Vilius aus dem Wasser wieder auftauchte, erkannte ihn Rübezahl nicht mehr wieder.

Vilius stieg als ein Meeresgott aus dem Wasser empor. Mit einer Podseidonskrone auf seinem Kopf, seine wellig goldenen Haare mit Meeresmuscheln, Seesternen, Meeresgrünen Pflanzen und mit Perlen geschmückt, stand er vor Rübezahl im Wasser. Winkte ihm nochmals mit seiner Meeresgottharpune zu und versank ehrwürdig wieder in seinem Reich.

Das Mittelmeer hatte einen wahrhaft großen, reifen, erwachsenen Meeresgott bekommen. Mit so einer kraftvoll energiestrotzenden Wesenheit, konnte den Meeresbewohnern kein Leid mehr geschehen. Poseidons jüngster Bruder Vilius tauchte ein in seine Welt und besuchte alle Bereiche des Mittelmeeres.

Alle Mittelmeer-Wasserweltler kamen zu dem Ort, wo der Felsenthron am tiefsten Punkt des Meeres auf seinen Herrscher wartete. Liebevoll zu seinem Volk schauend, ließ sich Vilius alles erzählen, was in seiner Abwesenheit so geschah, und was nun wieder in Ordnung gebracht werden musste.

Durch seine abenteuerlichen Erlebnisse in den Bergmassiven und am oberen Gletschersee im Bergtal hatte er am eigenen Leib erfahren, wie wichtig die Zusammenarbeit ist und dass durch gemeinsames Wirken, vieles wieder in Ordnung gebracht werden konnte und auch, dass alle Meeresbewohner ein Mitspracherecht hatten!

Am Ende der Versammlung brachte ein Delfin seine Bitte an den Meeresgott. Diese Bitte konnte und wollte Vilius seinen Delfinen nicht abschlagen. Ein großes Fest sollte im gesamten Mittelmeer gefeiert werden. Eine Art „Meereswelten-Olympiade“ sollte stattfinden, auch der König der Meere musste daran teilnehmen.

Mit Delfinschulen um die Wette schwimmen, durch das Mittelmeer sausen, einen Wettbewerb machen, wer die schönsten Pirouetten drehte, wer von den Walfischen die höchste und schönste Wasserfontäne ausstoßen konnte.

Die Quallen mit ihren hauchdünnen Körpern und den langen, haarähnlichen Fangarmen, tanzen elfen- und feengleich durch die Meere. Sie hüpfen durch die Meeresströmungen wie Federn so leicht. Jeder durfte seine ganz persönlichen Fähigkeiten, auf dieser Olympiade zeigen.

Und das Wichtigste war:
es ging hierbei nicht um einen Sieger, sondern um den Spaß! Den Spaß und die Freude am Zusammensein! Das war mal eine tolle Abwechslung im Mittelmeer!

Alle Wale und Delfine, Fische, Muscheln und Tintenfische, Krabben, Kraken, Krebse, Meerwürmer, Meeresschnecken und noch viel mehr. Alle dürfen mitmachen, bei diesem großen Fest, zu Ehren des Meeresgottes, der endlich zu Hause angekommen war. 

Und noch etwas möchte ich, die Traumfee Alissja, euch lieben Lesern mitteilen, zuerst kamen die ganz großen Meeresbewohner dran und dann die immer kleineren.

Warum, willst du wissen? Ist doch klar!

Die beiden Tintenfisch Brüder zählen auch zu den kleinen und langsameren Meeresbodenbewohnern. Und! Die Tintenfisch-Ole-Brüder sollten und mussten auch mitmachen dürfen. Die Beiden waren nämlich auf ihrer Weltreise unterwegs, infolgedessen wurde selbstverständlich auf sie gewartet!!!

Die Vorbereitungen gingen los. Die Strecken für die Langstreckenschwimmer und Tiefseetaucher usw. alles sollte gut besprochen werden. Damit keiner bei diesem Wettkampf zu kurz kam oder vergessen wurde. Es sollte ein Meerfest für ALLE werden.

Rübezahl

Als Rübezahl und Poseidon Vilius sich voneinander verabschiedet hatten, nahm Rübezahl noch eine gute Brise Meeresluft in seinen Lungen auf und ging in Richtung Bergwelt und zu seinen Wäldern. Oben am Ätnakrater blieb er stehen und schaute lange Zeit der brodelnden Magmakammer im Schlot zu, schaute den Rauchwolken nach, roch an den herunterfließenden Lavaströmen. Er wusste, wie wichtig diese Lavaströme für den Planet Erde und all seinen Lebewesen waren.

Im „Magmaofen“ des Planeten Erde, wurden alle Giftstoffe verbrannt, die die Menschen so in der Welt produzierten und in die Erde, in den Meeren und Ozeanen und in die Luft verstreuten.

Dazu war es wichtig, dass die äußere Schicht des Planeten, der obere Boden, durch Erdbeben und Kontinental-Plattenverschiebungen wieder in das Erdinnere hinein und hinunter „gewalzt“ wurden. Wie in einer großen Betonmischmaschine wird dort unten alles zerkleinert und vermischt und landet dann im „Schmelzofen“ des Planeten Erde.

Bei jedem Erdbeben auf unserem Planeten geschieht es ähnlich, so wie der Bauer seine Felder umpflügt. Nur hat Mutter Erde keinen Pflug die oberen Erdschichten umzuwälzen, dazu muss der Planet seine Erdkruste immerzu selbst verschieben und in die Tiefe hineinbringen.

Die riesige Magmakammer ist der Magmabrennofen. Hier wird verbrauchter Mutterboden, Wasser, Steine usw. gereinigt und geklärt. Es entstehen bei diesem Brennvorgang auch wieder neue mineralische Edelsteine, Kristalle die dann in Jahrmillionen wieder an der Erdoberfläche zu finden sind.

Und irgendwann kommt dann wieder bei einem Vulkanausbruch, Magma an die Oberfläche des Planeten Erde, die dann als ein Lavastrom zu einer neuen Insel in einem Meer sich auftürmt. So entsteht, in Jahrmillionen Jahren, eine neue Erde. Eine neue Welt, die ganz sauber und rein ist und hier kann dann wieder neues Leben entstehen.

Rübezahl sinnierte so vor sich hin, als der Geist des Ätna neben ihm stand und die Gedanken vom Rübezahl beantwortet.

Der Hüter der Magmakammern des Vulkans Ätna

 „Ja“, sagte der Ätna-Geist zu ihm, „lieber Hüter des Waldes, du erneuerst den Wald auf deine Art und Weise und ich der Vulkanhüter, ich habe meine Arbeit auch zu tun, damit der Planet Erde sich immer wieder erneuert! Nur, den Rübezahl lieben die Menschen eher, als mich den bösen Vulkangeist, der alles um sich herum zerstört. Es gibt wenige Menschen, die meine heiße Arbeit zu schätzen wissen! Die Ureinwohner wussten noch, ob unserer großen Kräfte, durch die der Mutterboden erneuert wird. Aber der moderne Mensch will davon nichts mehr wissen. Er sucht sich selbst seine eigene Erklärungen, neue Techniken zu entwickeln, um den Planeten Erde neu zu erfinden. Und macht dadurch alles nur noch schlimmer!“ 

 „Mhm – ja“, antwortete Rübezahl: „Und die wenigen Menschen, die die Zusammenhänge verstehen, werden nicht ernst genommen und oder als Spinner dargestellt und verachtet!“

Die beiden Hüter des Planeten sahen sich lange an und verstanden sich auch ohne viele Worte sehr gut! Mit einem einfachen Gruß über ihre Seelensprache verabschiedeten sie sich voneinander und gingen ihrer Wege.

Der Vulkangeist stieg wieder in seine heißen Magmakammern hinunter, um Erde nachzulegen, damit das Magma stehts am Brodeln bleibt und die Lava rechtzeitig zum richtigen Vulkan gelenkt werden konnte. Nur so konnte Leben auf dem Planeten Erde sein.

Zur immerwährenden Erneuerung des Planeten Erde.

Seine feurigen Helfer warteten schon auf ihn, alle Feuerwesen des Planeten waren zu einer Vulkan-Konferenz zusammengekommen: die Feuergöttin Pele mit ihrer Schwester Hiiaki vom Vulkan Kilauea, aus ihrem hawaiianischen Reich, der Feuer-Salamander, der Feuer-Drache, waren zu Besuch bei ihm, die Feuerkobolde und Feuerzwerge, alle waren sie zum Ätna gekommen!

Fortsetzung folgt: Teil 4 “ Rübezahl geht in seine Wälder“

Ähnliche Beiträge