Mere und Alisa

Das Schloss von Herrn Armut

Die Verwandlung des Herren Armut

Wie unsere beiden Freundinnen beim Herrschaftshaus vom Herrn Armut vorbeigingen, erhielten sie telepathisch einen Gedanken von der Feenkönigin Linda-Rose. Sie beauftragte sie, in das Schloss hineingehen und mit Herrn Armut reden. Der arme Mann hat so sehr um Verzeihung gebeten, dass die Regenbogen-Königin ihr Herz für den Riesen öffnete. Sie vergab ihn und nahm in wieder in ihre Dienste auf, denn früher war er ein Hüter der Anderswelt.

Mere und Alisa machten sich auf den Weg zur alten Linde. Der Wind wehte die Düfte des Baumes zum Herrenhaus hinüber. Die Fenster waren weit geöffnet und die Luftströmung trug die heilenden Energien hinein.

Alisa und Mere klopften ans Schlosstor, der Hausherr öffnete selbst. Er sah zum Herzerweichen aus. Aus dem kraftvollen Mann war ein alter schwächlicher Greis geworden, der gebückt vor ihnen dastand. Auf einen Stock gestützt, um Jahrzehnte gealtert, mit weißem Haar und Bart, der ungepflegt und rußgeschwärzt im Gesicht stand. Herr Armut büßte für alles, was er den Menschen und Goldrausch angetan hatte.

Er hatte seitdem keine ruhige Minute mehr. Der Ruß und die Steinkohle in seinem Tresor, der früher mit Geld und Gold gefüllt war, hatten sein Leben vollkommen verändert. Jedes Stück Kohle, die er zum Ofen trug, war so schwer an Gewicht, wie das Leid, das er den Menschen angetan hatte. Zwerg Goldrausch hatte sich eine gerechte Strafe für ihn ausgedacht.

Die Rosenkönigin vom Regenbogenland hatte dafür gesorgt, dass er keine gemütliche Zeit mehr hatte. Sein erbärmliches Gefühl drückte ihm die Luft zum Atmen ab. Mit jedem Schritt, den er durch sein Reich lief, zog er die schweren Lasten der Betrügereien und Diebstähle hinter sich her. Er entschloss sich, sein Leben grundlegend zu ändern.

In Gedanken bat Herr Armut viele Male die Rosenkönigin Rosa-Linde und den Zwerg um Vergebung und Verzeihung. Er schwor, sein Leben zu ändern! Er wusste nur nicht, wie es zustande kommen sollte – aber er war dazu bereit.

Er würde jedem Menschen, den er betrogen hatte, sein Geld mit Zins und Zinseszins zurückgeben und jedem Lebewesen helfen, das seine Hilfe benötigt.

Das schwor er bei seiner Seele.

Er erzählte Mere und Alisa alles, was er in seinem Leben angestellt hatte. Die Tränen der bitteren Erkenntnis flossen aus seinen Augen über seine Wangen und Pranken. Die Zähren rannen wie Wasserfälle und wuschen sein Gesicht, seine Hände und seine Seele wieder sauber und rein. Seine Augen, die trübe waren, erstrahlten im klaren Blick. Alisa und Mere halfen ihm bei seinen Erinnerungen und brachten viele Einblicke bei einer Rückführung in sein altes Leben. Herr Armut erkannte, wie es zu alldem kam.

Am Anfang war es die Suche nach Aufmerksamkeit und Anerkennung! Dann geizte er darum, der reichste Mann der Welt zu sein. Nachdem er bemerkte, dass die Menschen seine Freundschaft nur wegen seines Reichtums wollten, wurde er immer niederträchtiger.

Durch Goldrausch erkannte er, wie einsam er war!

Seine Tränen flossen in wahren Sturzbächen aus seinen Augen heraus und wuschen alles Übel von seinem Menschsein ab. Die beiden Heilerinnen, die von der Königin Rosa-Linde ihre Heilkunst mitgebracht hatten, durften seine Seele aus ihrem Gefängnis befreien. Sie verhalfen ihm zu immer tieferen Einsichten und Erkenntnisse über seine wahren Hintergründe. Armut erkannte seine Seele, wie sie eingesperrt war in seinem eiskalten Herzen, das ihm immer mehr schmerzen bereitete, weil sein Herzenstor verschlossen war. Er wollte endlich seine Seele und sich selbst befreien. Nur mit dieser Einsicht konnten ihm die beiden Heilerinnen helfen. Dass erkannte Armut auch.

Diese Erkenntnis lies sein Herzenstor sich öffnen, er fühlte die Wärme, die hervorströmte und sein innerstes Sein, wohlig warm werden lies. Seine befreite Seele erkannte, wie ehrlich es sein Mensch meinte, und half noch zusätzlich bei der Heilung des menschlichen Bewusstseins, das sich nun immer mehr an seiner Seele orientierte.

Nachdem die Heilungsarbeit beendet war, fühlte sich Armut wie neu geboren. So viel Leichtigkeit und Freude hatte er noch nie in seinem Leben wahrgenommen. Und so flossen die Tränen der Erleichterung und Reinigung aus seinen Augen, die dadurch immer klarer und jünger wurden. Sie erstrahlten im Licht seiner Seele.

In seinem bisherigen Leben verspürte er noch sie so viel Leichtigkeit und Freude, wie jetzt. Glücklich und befreit von all seinen Lasten, tanzte er mit Mere und Alisa durch sein Schloss hinaus in den Schlossgarten.

Er trällerte ein Lied nach dem anderen. Die Vögel, die seinem Park mieden, waren neugierig, was denn hier so lustig war. Die Waldtiere erkannten die beiden Frauen und trauten sich wieder in den Schlosspark zurück, der einmal ihre Heimat war.

Aus der Sonne kam ein riesiger Regenbogen und ließen alles im neuen Licht erstrahlen. Herr Armut erkannte, was er in all den Jahren seiner Finsternis versäumt hatte. Mit Hilfe der Farbstrahlen heilte alles, was noch tief in ihm versteckt war.

Herr Armut verwandelte sich zu einem kraftvollen Mann, mit blau-strahlenden Augen, in deren Regenbogenhaut farbige Sternchen zum Vorschein kamen. Wie neu geboren stand er in seinem Schlossgarten und freute sich über seine Heilung und Erlösung. Seine Seele leuchtete aus seinen Augen heraus. Er sah die herrlichen Rosen und den Efeu ranken, die sich wie von Zauberhand in seinem Park ausbreiteten. Die Naturwesenheiten waren zurückgekehrt und brachten neues Leben hervor.

Mere die genauso groß war wie der Riese, schaute in die Augen vom Schlossbesitzer und bemerkte darin ihren alten Seelenfreund, den sie vor vielen Leben an die Finsternis verloren hatte. Eine innige Liebe verband sie seit ewigen Zeiten. Im tiefen Erkennen reichten sie sich ihre Hände. Gemeinsam wanderten sie durch den Park. Ein Lichtschein der Freude umhüllte beide.

Alisa lächelte und sah ihnen nach. Sie freute sich, dass ihre liebste Freundin, ihren Seelenfreund Gottlieb wieder gefunden hatte und ihn von der Finsternis befreien konnte.

Mere und ihr Seelenfreund Gottlieb hatten sich wieder gefunden. Herr Armut wurde zum Sternentorhüter ernannt – der er im früheren Leben war. Seinen alten Namen „Armut“ brauchte er nicht mehr! Er hieß wieder Gottlieb Sonnenschein! Er lebte glücklich und zufrieden in seinem Zuhause, mit dem paradiesischen Schlosspark. Alle Tiere des Waldes kamen zu ihm und schauten sogar durch die Fenster in das Schloss hinein. Wenn sich mal ein Waldtier verletzt hatte, kam es gerne zu Gottlieb und ließ sich von ihm pflegen. Denn seitdem Gottlieb Sonnenschein geheilt wurde, war er wieder der große Heiler! Das war zusätzlich ein Geschenk vom Regenbogenland.

Und Alisa und Mere, erzählen uns gemeinsam mit der Traumfee Alissja noch viele wundersame Geschichte.

Schloss-Allee

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