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2. Teil vom Zwerg Goldrausch

Soeben erschüttete ein Erdbeben den ganzen Bergwald. Das Bergwerk von unserem kleinen Goldrausch stürzte in sich zusammen. Das Erdbeben dauerte nur ein paar Sekunden, dann war alles wieder ruhig. Nichts war weiter passiert. Die Tiere und Vögel im Bergwald beruhigten sich wieder sehr schnell und nahmen ihre Nahrungssuche wieder auf.

Der uralte Lindenbaum stand in seiner vollen Blütenpracht und verströmte seinen betörenden Duft mit jedem leisen Windhauch. Die Baumkrone der Linde war riesig. Tausende verschiedene Insekten summten und brummten um die Lindenblüten herum. Sie sammelten in aller Ruhe den Blütennektar weiter ein.

Zwei Frauen gingen gerade den Weg zur blühenden Linde, als das Erdbeben war. Sie unterhielten sich gerade darüber, sahen den uralten Baum mit den Bienen und Hummeln an. Da hörten sie ein stöhnen und wimmern. Sie schauten sich um und suchten. Sie vermuteten, dass jemanden bei dem Erdbeben verletzt wurde. Sie gingen dem Stöhnen nach und entdeckten ein kleines Kind, das zusammengekauert am Baumstamm lehnte und leise vor sich hinwimmerte. Das Kind hatte zerrissene Hosen an, es war barfuss, schmutzig, hatte struppige lange Haare, eine Zipfelmütze, die ihm übers Gesicht gerutscht war. Es sah wirklich erbärmlich aus. Die beiden Frauen rannten sofort zu dem Kind und untersuchten es und sprachen leise mit ihm, damit es nicht erschrickt. „Hallo, wie geht es dir? Können wir dir helfen?“

Sie nahmen die Zipfelmütze ab, und sahen dass es ein kleiner Mann war. Er hatte einen zerzausten Bart im Gesicht und dicke buschige Augenbrauen, eine Knollennase. Er sah furchtbar aus. Sie hatten großes Mitgefühl mit ihm. Mit trüben Augen schaute er auf. Flüsternd und mit letzter Kraft, erzählte er irgendwas vom Sterben und keine Lebensenergie, Goldraub und böser Mann. Dann wurde der Zwerg bewusstlos. 

Die beiden Freundinnen trugen ihn sofort in die Sonne, damit ihn die Sonnenstrahlen aufwärmten. Sonnenstrahlen sind auch aus purem Gold. Dann legten sie ihre Hände auf seine Brust und strömten ihm Lebensenergie und Liebe solange in sein Herz, bis Goldrausch tief einatmete.

Die Bienen, Hummeln und Schmetterlinge, fächelten mit ihren Flügeln die ganze Kraft der Lindenblüten zum Goldrausch hin. Alle Tiere des Waldes, die den kleinen Zwerg sehr lieb hatten, kamen herbei und halfen den beiden Frauen bei der Lebensrettung. Sie zogen einen Kreis um die drei herum und beschützten sie. Die beiden Frauen waren Heilerinnen und wussten genau was zu tun ist. Sie sangen ihre Seelenmelodie, damit Goldrausch wieder neuen Lebensmut bekam. Die Seelenmelodie hallte so schön und weit durch das Land und lockte viele Singvögel heran. Es wurde ein wunderbar heilkräftiger Gesang daraus.

Die Vogelstimmen, das Summen der Bienen, das Surren der Schmetterlinge und Libellen, das Brummen der Hummeln und der Seelengesang der beiden Freundinnen…. Das weckt die Lebensgeister auf. Unser kleiner Freund bekam wieder rosige Wangen. Es dauerte nun nicht mehr lange und sein kleiner Körper begann kraftvoller zu atmen.

Die Bienen- und die Hummelkönigin setzten sich auf Goldrausch’s Lippen und ließen in seinen leicht geöffneten Mund, einige Tropfen von ihrem Pollen-Lebenselixier einfließen. Daraufhin wurde seine kleine Zunge lebendig. Sie schleckte sich die Lippen ab und begann zu schnalzen, sie wollte mehr von dem köstlichen Belebungstropfen. Seine Atemzüge wurden immer tiefer. Sein kleines Herz schlug kräftiger. Er bewegte seine Finger. Goldrausch öffnet erst ein Auge, besah sich mit dem geöffneten Auge seine Umwelt. Was er sah, machte ihn so neugierig, dass er gleich darauf auch sein zweites Auge öffnete.

Er blinzelte und fragte: „Oh, bin ich schon im Zwergenhimmel? Hui! Hier ist es aber schön. Ja wer seid ihr beiden denn, ich wusste garnicht, dass es im Zwergenhimmel so große hübsche Engelwesen gibt.“ Dabei sah er die Freundinnen an, die sich riesig freuten, dass der Kleine Mann noch lebte. „Und meine Bienen und Hummeln und die lieben Waldtiere sind auch alle hier. Oh du lieber Gott, sind wir denn alle im Zwergenhimmel gelandet? Was hab ich denn nur angestellt?“ - „Nichts, du lieber Goldrausch“, sagten die Tiere gleichzeitig, „du bist nicht tot. Diese beiden Menschenfrauen haben dir dein Leben gerettet. Sie kamen gerade im richtigen Augenblick des Weges und haben dir dein Zwergenleben wiedergegeben“.

Goldrausch riss die Augen ganz weit auf und schaute die beiden Fremden genau an. Kurz dachte er nach, was alles passierte war. Er war sehr erschrocken, dass Menschen hier waren, und die Waldtiere und die Vögel und die Bienen und Hummeln. Alle unterhielten sich in Gegenwart der Menschen. Und die Menschen konnten alles verstehen, was gesprochen wurde. Er setzte sich nun vollends auf: „Welchen Unsinn hab ich nun denn schon wieder gemacht? Sind noch mehr Menschen in die Anderswelt gekommen“? Seine Freunde konnten ihn aber beruhigen und erzählten ihm, dass die beiden Frauen sich so rührend liebevoll um ihn gesorgt haben, dass die Feenkönigin alle Tiere des Waldes zur Unterstützung schickte.

„Oh! Ui die… die Feenkönigin?“ Nun hatte der Kleine aber einen Schrecken bekommen. Er schluckte und konnte gar nichts mehr sagen. Als Goldrausch sich von seinem Schock erholt hatte, sah er einen Regenbogen aus der Sonne direkt auf ihn herabstrahlen. Und da wusste er, es war alles gut! Die liebe Feenkönigin hat ihn sehr lieb und er durfte in ihr Reich, das Regenbogenland wieder zurückkehren. Die Waldbewohner brachten aber vorher noch ganz viele Beeren zum Essen, die Bienen und Hummeln ließen ihren Honig fließen, bis alle satt waren.

Nun wollte unser Zwerg doch wissen, wer die beiden Frauen waren, die sein Leben retteten. Sie stellten sich vor, ihre Namen waren Meredivinia und Alisaja. Weil sich die meisten Menschen diese Namen nicht merken konnten, durften sie einfach kurz, Meri und Alisa sagen. Sie erzählten, dass sie sehr gerne das Land „die Anderswelt“ kennen lernten wollten. Eine Zauberhand führte sie gerade in dem Augenblick hierher, als der kleine Goldrausch in Ohnmacht viel.

Auch unser kleiner Freund erzählte dann seine Geschichte. Bis jeder seine Erlebnisse berichtet hatte, verging die Zeit und so kam die Nacht. Sie alle hatten doch etwas Angst vor dem bösen Mann und so brachen sie schnell auf. Am Weg der Uralten Linde vorbei am verwunschenen Schloss, dass nun einsam und mit finstertraurigen Fenstern dastand. Die Schmetterlinge erkundeten als Erste vorneweg und schauten nach, ob die Luft rein war. Dann die Bienen und Hummeln und Lerchen, Spatzen, Schwalben, die Falken und Mäusebussarde und Adler. Als sie alle keine Gefahr erkennen konnten, durften die beiden Frauen und unser Zwerg ihren Weg fortsetzen.

Bei der uralten Linde drehten sich Meri und Alisa nochmals um, und riefen die Sternentorhüter um Hilfe. Meri und Alisa gaben diesen beiden riesigen strahlenden Engel-Wesen den Auftrag, das Sternentor zur Anderswelt zu verschließen, immer und ewig zu bewachen. Niemand durfte mehr durch das Sternentor gehen, der keine Erlaubnis hatte. Somit haben Meri und Alisa, der Anderswelt einen großen Dienst erwiesen, denn das Sternentor an der uralten Linde, ist eine Eintrittspforte ins Regenbogenland. Fröhlich gingen sie den Weg weiter und freuten sich über die Wiesen, die voll mit bunten Blumen und Wildkräutern waren. Um deren Köpfchen sich die Bienen und Hummeln versammelten. Viele Käfer krabbelten mit den Ameisen um die Wette, wer zuerst die leckersten Bissen fand. In der Luft flogen Vögel die ihre Lieder zwitscherten. Der Gesang der Natur hörte sich so wunderschön an. Auch die drei Wanderer ließen ihre Stimme dazu ertönen und sangen mit…

Du kannst dir vorstellen wie lustig das war. Die Drei hüpften im Takt der Melodien mit. Goldrausch schlug seine Zwergen-Purzelbäume, die Hasen und Rehe sprangen vor Freude in die Luft… Es ist wie im Paradies! Na ja – das Regenbogenland ist aber auch das Paradies! Keiner braucht Angst zuhaben oder gar traurig zu sein. So kamen sie in ein breites Tal, wo viele Bäume auf einer Blumen-Kräuterwiese standen. Die Bäume blühten und trugen gleichzeitig Früchte. Na so was gibt es auch nur in der Anderswelt, wo Elfen und Feen, die Devas der Natur alles pflegten und hegten.

Wie kleine Kinder liefen die drei Freunde zu den Obstbäumen und probierten hiervon und davon. Die Früchte waren so saftig, dass ihnen der Obstsaft über die Arme herunter lief. Und wo der Saft auf den Boden tropfte – wuchsen gleich wieder kleine Pflänzchen aus der Erde. Kirschen, Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Pfirsich, Pflaumen, alles was du sicher auch kennst wächst hier in diesem Obstbaumtal…

Lachende und singende Kinderstimmen lies sie aufmerksam werden. Sie sahen sich um und entdeckten aber niemanden. Meri, die die größte unter den dreien war, sah einen großen Baum, auf dem eine Kinderschaukel angebunden war. Es saßen drei Kinder drauf und wurden von ihrer Mama angeschuppst. Eine kleine lustige Familie war das… Unsere Freunde gingen langsam auf sie zu, um das lustige Spiel nicht zu stören. Ein Kind sah gerade in die Richtung aus der die Fremden kamen.

Es rief: „Mama, sie kommen, sie sind da!“ Ihre Mama lies die Schaukel auspendeln und ging auf die Fremden zu. Sie war garnicht überrascht, das sie Besuch bekamen… na ja in diesem Land gibt es wohl keine Überraschungen … hm? Nun blieben Goldrausch, Meri und Alisa stehen und warteten bis die Besitzer dieses Tales bei ihnen ankamen. Es war eine Zwergenfamilie, dass konnte man aus der Entfernung zunächst nicht erkennen. Denn im Regenbogenland ist alles was in weiter Ferne liegt, gleich groß…. Da kannst du schon heute sehen, wer morgen zu Besuch kommt! Das war eine riesen Überraschung und große Freude für unseren Goldrausch. Eine Zwergenmama mit ihren Kindern kam des Weges und holte ihre Besucher ab!

Sie begrüßten sich alle auf Zwergenart. In ihrer Freude fassten sie sich gegenseitig an den Ohren und rieben sich ihre Zwergenknollennasen aneinander. Sie taten das so spontan, dass sie über ihr Nasen-Ohrenreiben sehr überrascht waren. Nun gab es viel zu erzählen. Der Zwergenmama wurde heute Morgen per Elfenpost mitgeteilt, dass sie von einem entfernten Verwandten besuch bekommen würden. Sie war sehr erstaunt über diese Post, denn sie dachte, sie und ihre Kinder seien die Letzten ihrer Familie. Durch einen bösen Zauberer gab es keine Zwerge mehr in diesem Tal.

Nun war unser Goldrausch an der Reihe, seine Geschichte zu erzählen. Die Mutter von den Zwergenkindern und Goldrausch verstanden sich sofort und beschlossen von nun an, ihr Leben gemeinsam zu verbringen. Unser kleiner lieber Freund hatte ganz rote Ohren und eine rote Nase vor lauter Aufregung und Freude. Es wurde sofort eine Hochzeitsfeier organisiert, und das ganze Obstbaumtal wurde dazu eingeladen. Natürlich kamen alle Elfen, Feen, Gnome, Kobolde, Wichtel und alle Vögel und Insekten, alle Tiere. So eine große Hochzeitsgesellschaft gab es schon lange nicht mehr in diesem Tal.

Die Feier dauerte sieben Tage und sieben Nächte… Geschlafen wurde nur sehr wenig in dieser Zeit. Seit Ewigkeiten gab es nichts mehr im Regenbogenland, auf der Obstbaumwiese zu feiern. Als das große Unglück durch den Zauber passierte, wollte keiner mehr ein Fest halten. Nach der Hochzeitsfeier verabschiedeten sich Meri und Alisa bei ihren neuen Freunden. Sie wollten noch weiter das Regenbogenland erforschen. Das unbekannte Land kennenlernen, vielleicht noch weitere Freunde finden.

Zum Abschied wurden die Beiden mit Kopf-Blumenkränzen, und mit Kräuterkränzen um ihre Taille geschmückt. Fast hätte ich es vergessen… sie bekamen auch neue Kleider und einen tollen Umhang, der seine Geheimnisse in sich trägt…. Wer weiß, vielleicht brauchten sie ja auch mal Hilfe und Unterstützung aus dem Feenreich, wenn sie wieder Zuhause waren. Der Umhang und die Blumen- und Kräuterkränze würden die Verbindung zum Feenland sein. So erfuhren die beiden, wie und auf welche Art diese Verbindung dann zu Stande kommt. Das bleibt aber ihr Geheimnis.

Ach ja… eine Liebe Freundin fragte mich, wie der Goldrausch denn nun zu seinem Goldlebenselixier kommt …. Gut gefragt liebe Babsi, die Zwerge brauchen das Goldlebenselixier nur im Menschenland. Das Regenbogenland ist ihr Zuhause und dort werden alle Bewohner, von der Feenkönigin und ihrer Energie ernährt.

 

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